Die Merkelschaukel

Immer wenn Angela Merkel kommt, muss ich an die Hollywood-Schaukel denken. Die stand mit vielen anderen hier in Meseberg, als sich in meinen Wänden noch die Bewohner des umliegenden Dorfes trafen. Schaukeln dieser Art hatten eine Lehne, waren gepolstert und boten unter einem Sonnenschutz Platz für zwei bis drei Erwachsene. Warum die sogenannte Hollywood-Schaukel in der DDR so hieß, weiß niemand so richtig. Wahrscheinlich sollte der Name allein für jene Art Glanz sorgen, den es sonst nur im West-Fernsehen gab.

Weiterlesen

Fachbereich Seniorenbetreuung? Ihr spinnt wohl.

Die Werbung ist so lange her, dass sie nicht mal mehr bei Google zu finden ist. Eine betagte Hamburger Sängerin posierte mit den Kopfhörern eines Walkman für einen großen Unterhaltungselektronik-Händler. Die knallige Schlagzeile: Hörgerät? Ihr spinnt wohl!

Die Sängerin lebt – vermutlich – nicht mehr, um die Handelskette ist es still geworden, und auch mobile Musikabspielgeräte heißen schon lange nicht mehr Walkman. Eines hat sich allerdings nicht geändert – im Gegenteil. Noch mehr als früher denkt diese Gesellschaft und mit ihr die Politik in der Schwarz-Weiß-Schablone: Gestern noch in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen, heute Senior 50 plus und ein Fall für den Fachbereich Seniorenbetreuung.

Irre, einfach irre, und man könnte es ja als irrelevant abtun, wenn von dem komischen – und widersprüchlichen – Verhalten der Politik nicht einiges abhinge. Diejenigen, die im Berliner Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg die Generation 50 plus an den Fachbereich Seniorenbetreuung abschieben, sind vermutlich in einer der Parteien, in deren Spitze über die die Rente mit 67 und ähnliches diskutiert wird. Jeder auf seiner Ebene so, wie es ihm, den Rentenkassen und ähnlichen öffentlichen Einrichtungen passt.

Für Berufssoldaten, zugegeben eine von der Zahl kleine Gruppe, hat sich das Verteidigungsministerium da was ausgedacht: Das Altersband 3, militärisches Gegenstück zur Generation 50+, beginnt… genau: mit 50 Jahren. Ab diesem Alter sollen die Militärs sofort in Rente gehen können – und die Pension bekommen, die sie auch bekämen, wenn sie bis zum Dienstzeitende in Uniform blieben.

Das ist – zum Teil – nachvollziehbar; der 60-jährige Infanterieoffizier, der durchs Gelände stürmt, ist ähnlich schwer vorstellbar wie der immer wieder zitierte Dachdecker, der mit 63 auch nicht mehr den Dachstuhl erklimmen kann. Der eine wird, nicht unbedingt schlecht versorgt, mit seinem vollen Ruhegehalt in Pension geschickt, der andere muss erhebliche Abschläge von seiner Rente hinnehmen, wenn er vor Erreichen der Altersgrenze – 65? 67? vielleicht demnächst 69? – in den Ruhestand geht oder gehen muss. Das ist die öffentlich gesteuerte Versorgungs-Seite: je nach Bedarf und Kassenlage wird ausgeteilt oder genommen.

Auf der anderen steht der 54-jährige, den ein Freund in einem Konzern neulich unbedingt für seine Abteilung haben wollte: mit seinen Kenntnissen und seinem Lebenslauf passten alle Anforderungen genau auf ihn. Doch die Personalverwaltung lehnte ab. Mit 54 werde keiner mehr eingestellt.

Was will diese Gesellschaft eigentlich? Den immer fitten Senior? Der aber, leider, leider mit gekürzter Rente durchs Leben humpeln soll? Das passt alles nicht zusammen.

Vielleicht nervt mich das ja alles auch nur, weil ich mittlerweile nach der Klassifizierung des Berliner Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg Senior 50+ bin. Noch ein paar Jahre Arbeit vor mir habe und auch haben will. Und mich wahrlich nicht als Klientel des Fachbereichs Seniorenbetreuung empfinde. Was für ein Menschenbild steckt bei den ganzen Irren eigentlich dahinter?

(Auch veröffentlicht auf WiegoldZwo)

Man kennt sich, schätzt sich

Journalisten, Lobbyisten, Politiker und andere Akteure hocken auf wenigen Quadratkilometern Berlin aufeinander. Das muss nicht schlimm sein – wenn die Regeln klar sind und Leser, Hörer, Zuschauer und Bürger wissen, wie diese Welt aussieht.

Café Einstein, Unter den Linden (CC BY Flickruser MTClark)

Café Einstein, Unter den Linden - Heimstatt des Kaffeeklatsches im politmedialen Berlin (CC BY Flickruser MTClark)

Vorbei sind die Zeiten des Bonner Raumschiffs, als zwischen den Diplomatenrennbahnanwesen wie dem langen Eugen, Adenauers Teestunden im Palais Schaumburg, auf der Hardthöhe und in der Godesberger Redoute alles stattfand, was man Bundespolitik nennen konnte. Berlin tickt etwas anders, es ist nicht nur größer, es ist auch weniger betulich. Obwohl auch hier eigentlich alles auf einem engen Raum stattfindet: Ministerien, Bundestag, Kanzleramt – fast alle relevanten finden sich auf zwischen Werderschem Markt und der Invalidenstraße, das derzeit noch etwas außerhalb in Moabit liegende Innenministerium soll Ende 2014 – nach einem Neubau – auch in dieses Planquadrat ziehen. Dazwischen liegen nur wenige Restaurationen, Cafés und ein paar Botschaften – sowie natürlich die Adressen all jener Medien, die mit einem Hauptstadtbüro fußläufig zu den Institutionen gelangen wollen. Weiterlesen

Vom Problempräsident zum Schlossgespenst

Er möchte sie behalten, die so unscheinbar klingende Anschrift „Spreeweg 1“: Christian Wulff gesteht in einem Interview Fehler ein. Und ganz im kaiserlichen Stile eines Willem Zwo scheint er zu fragen: „Was will man denn bloß? Ich habe mir doch nichts vorzuwerfen!“ Ob Wulff nun einen Nachlass von einem Zehntelprozent oder einem ganzen Prozent auf seinen Häusle-Kredit bekommen hat, ob er den Landtag in Niedersachsen angelogen oder nur auf die falschen Berater hörte: alles nachrangig. Wulff hat gezeigt, dass er, dessen Präsidialqualifikation von vornherein mit Fragezeichen versehen war, dem Amt nicht gewachsen ist.

Christian Wulff und Dilma Rousseff

Christian Wulff und Dilma Rousseff, Brasi­lia - DF, 05/05/2011. Foto: Roberto Stuckert Filho/PR / Lizenz: CC BY SA 2.0

Weiterlesen